Samstag, 14. Juni 2014

die Welt verändern

Photography by ©Rahel Gysel
Ich habe es ihnen erst nachgemacht doch am Ende des ersten Tages war ich ziemlich erschöpft von all dem Geschrei und habe lange überlegt, dass dies eigentlich nicht der Weg ist. Es ist zu anstrengend für einen selbst und auch widersprüchlich, wenn ich schreie, um für Ruhe zu sorgen. Daher habe ich dann die anderen Tage entschlossen zu den Kindern hinzugehen und sie direkt an zu sprechen, was natürlich auch nicht richtig geklappt hat da, für sie, eine Autoritätsperson eigentlich gar nicht eine Autoritätsperson ist. Ich habe dann auch versucht mich den Kindern zu widmen, die am meisten Unsinn machen. Ich habe mich zu ihnen gesetzt und mich ihnen zugewendet um mit ihnen zusammen die Aufgaben zu machen, die sie machen sollten. So waren sie auch motiviert und haben sich auch konzentriert, bis ein anderer kam und auf sie einredete um irgendetwas zu erzählen oder fragen. Am letzten Tag konnte ich dies besonders gut beobachten. Die Kinder sollten an dem Vatertag-Geschenk weiter arbeiten. Wäscheklammern sollten auf eine Klopapierrolle geklebt werden – was sich als nicht so einfach erwies da die Klammern immer wieder abfielen (die Kinder nahmen zu wenig Kleber). Eines der Kinder war sehr frustriert und warf alles auf den Boden und sagte: „Ich hasse diese Aufgabe. Alle schaffen es und ich kriege nichts hin.“ Ich hatte vorher gerade alle restlichen Klammern eingesammelt und plötzlich sah ich wieder Klammern auf dem Boden und so bin ich auf ihn aufmerksam geworden. Also habe ich seine Klammern aufgehoben und habe mich zu ihm gesetzt und ihm gesagt wir schaffen das zusammen, was wir schlussendlich auch geschafft haben. Ich habe gemerkt dass die Kinder schon lust haben Dinge zu lernen und zu machen, nur sind sie eben in einem Alter in dem sie noch Zuwendung brauchen, und diese bekommen sie meistens nicht zu Hause. Da sie keine Zuwendung, oder wenig, bekommen lernen sie auch nicht richtig mit Frust umzugehen, und geben sich schnell geschlagen mit Aufgaben. Ich weiß, dass es für eine Lehrerin unmöglich ist, sich um fast 40 Kinder gleichzeitig zu kümmern und sich zu jedem zu setzten und ihm bei zu stehen. Dies macht die Situation so kompliziert. Von zu Hause haben sie die Zuwendung nicht und sie bräuchten sie so sehr um aufzublühen und wachsen zu können. Es tut mir weh, wenn ich dies beobachte, wie Kinder in jungem alter allein gelassen werden. Ich möchte nicht jemandem die Schuld dafür geben, es ist einfach eine verzwickte Situation. Wie kommt man davon weg? Wie erkläre ich einer Mutter, die noch selbst fast ein Kind ist, das ihr Kind liebe, Zuneigung und Begleitung gebraucht, wenn sie es selbst nicht erfahren hat?