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Johann Heinrich Pestalozzi gilt als der Begründer der Pädagogik.
Der Schweizer kämpfte für eine allgemeine Bildung für alle Menschen.
Johann Heinrich Pestalozzi wurde am 12. Januar 1746 in Zürich geboren.
Schon in jungen Jahren erlebt er den Tod seines Vaters und den Tod von
vier seiner sieben Geschwister. Bei seiner Mutter erweckte dies ein
starkes Gefühl der Sorge um ihre verbleibenden Kinder. Dementsprechend
hatte der junge Pestalozzi wenig Freiraum und kaum Kontakt zu anderen
Kindern.
Da seine Familie jedoch Stadtbürgerrecht hatte, konnte er anerkannte
Bildungseinrichtungen kostenfrei besuchen. Er ging auf die
Elementarschule und wechselte drei Jahre später auf die Lateinschule.
Derweil hatte er viel Kontakt zu seinem Großvater, ein reformierter
Pfarrer, der bei Pestalozzi die Liebe zur Jugend und dem Volk erwachen
und auch das Verlangen nach einer Laufbahn als Pfarrer entwickeln ließ.
Diese brach er jedoch ab, da er Schwierigkeiten mit dem Feierlichen
hatte und selbst glaubte, er könne nie Predigen ohne lachen zu müssen
Somit trat er das Rechtstudium an, beendete aber auch dieses nicht und
entschloss sich mit 21 Jahren Bauer zu werden. Er erhoffte sich im
Stillen, dass er so auf seine Umgebung einwirken könne. Allerdings
scheiterte er auch bei diesem Unterfangen und musste seinen
landwirtschaftlichen Betrieb einstellen.
Trotz der bisherigen Misserfolge versuchte er nun mit 28 Jahren einen
seiner Träume zu verwirklichen: ein Haus für Waisen und Bettelkinder auf
seinem Land zu eröffnen. Er wollte ihnen ein Umfeld der Liebe, Hoffnung
und Geborgenheit schaffen, um sie so zu selbstständigen Menschen
heranwachsen zu lassen. Die Grundbedürfnisse der Kinder sollten gestillt
werden, damit sie auf natürliche Weise Vernunft und Neugier erlangen
können. Nach und nach würden sie ihr Wissen aufbauen und Zusammenhänge
herstellen können.
Auch sollten sie schreiben, rechnen, lesen, beten und arbeiten lernen.
Die Liebe jedoch, die Erfahrung der Beziehung zu Vater und Mutter, stand
im Mittelpunkt. Daher forderte Pestalozzi in seinen Schriften, dass das
tiefe Vertrauensverhältnis des Kindes zur Mutter so lang und innig wie
nur möglich erhalten werden solle.
Zu seiner Enttäuschung konnte er seine Familie und die Waisen sowie die
Bettelkinder finanziell nicht ausreichend Unterstützen. Es war unmöglich
von dem wenigen Einkommen der Landwirtschaft zu leben. Schlimmer noch:
Anstatt Unterstützung von seinen Mitbürgern zu erhalten, erntete er nur
bitterböse Kritik: Wie willst du dem Volke helfen, wenn du dir selbst
nicht helfen kannst? So der Tenor der Vorwürfe.
Doch Pestalozzi ließ sich nicht unterkriegen. Tief in seinem Herzen
strebte er immer noch das gleiche Ziel an: den Armen ein besseres Leben
zu ermöglichen. Mit diesem Wunsch zog er sich zurück und begann zu
schreiben. In seiner Einsamkeit meinte er, Ruhe zu finden und Gott in
der Menschennatur erkennen zu können.
Diesen Gedanken verwarf er jedoch bald wieder mit der Erkenntnis, dass
die Menschen eher tierische Eigenschaften als göttliche besitzen. «Der
Mensch raube wie er esse und morde, wie er schlafe.» Dies war sein neues
Menschenbild – und es veränderte seine Sichtweise der Erziehung. Von
nun an sollte der Mensch nicht mehr seine inneren göttlichen Kräfte
entwickeln, sondern ein brauchbares Glied in der Gesellschaft werden.
Für Pestalozzi ist das Kind demnach unfrei, da es nach seinen Instinkten
handelt und nicht entscheidungsfähig ist. Langsam entwickelt sich der
Wille, doch dieser Prozess muss erst von außen gelenkt werden, da die
Selbstbestimmung des Kindes noch nicht ausgereift ist. Der Mensch soll
aber nicht ein «Werk der Gesellschaft» sein, sondern ein «Werk seiner
selbst».
Um die Willensregung von innen zu lenken, soll das Kind die Regeln und
Gesetze verstehen. Im Erwachsenenalter ist der Mensch nun frei, um nach
dem eigenen Gewissen zu handeln und zu entscheiden. Pestalozzis
Menschenbild neigt sich somit wieder dem Positiven zu; zwar ist der
Mensch «böse», doch vertraut er auf dessen «Gottesnatur».
Im Jahre 1799 bittet ihn die Helvetische Republik sich der Waisenkinder
in Stans anzunehmen. Der Zustand der Kinder war verheerend. Schlecht
versorgte Wunden und andere Krankheiten sowie mangelndes Schreib-, Lese-
und Sprachvermögen wurden festgestellt. Pestalozzi half den Kindern,
musste jedoch schon nach sechs Monaten das Waisenhaus verlassen, da es
zu einem Lazarett umgewandelt werden sollte.
Die Regierung stellte ihm das Schloss in Burgdorf zur Verfügung, um dort
eine Heimschule zu gründen. Nach einem Regierungswechsel 1804 musste
die gesamte Gemeinschaft samt Schülern und Lehrern nach Münchenbuchsee
in das Schloss Yverdon umziehen.
Nach 21 Jahren Tätigkeit war die Glaubwürdigkeit des Instituts jedoch
durch Neid und Streit der dortigen Mitarbeiter in Verruf gekommen. Als
80-Jähriger zog sich Pestalozzi auf seinen Hof zurück, den sein Enkel
währenddessen übernommen hatte. Kurz vor seinem Tod erhielt er eine
Schmähschrift von seinen ehemaligen Mitarbeitern aus Münchenbuchsee.
Dies vermochte er nicht mehr zu verkraften, erkrankte und verstarb kurz
danach am 17. Februar 1827 in Brugg.
Pestalozzis pädagogische Ansichten haben sich während seines Lebens
verändert und dynamisch weiterentwickelt. Der Mittelpunkt der Erziehung
stellte nicht mehr die Außenwelt und die Industrie, sondern die
kindliche Natur selbst, die Fähigkeiten, Anlagen und Kräfte jedes
einzelnen Kindes dar. Diese Anlagen und Fähigkeiten individuell zu
fördern, entwickeln und zu stärken sei die Aufgabe der Erziehung. Als
erster stellte damit Pestalozzi den Menschen ins Zentrum der Pädagogik,
da dieser, anders als die Pflanzen und Tiere, unvollendet auf die Welt
kommt um sich selbst zu vollenden. Ein Wesen also, das in Freiheit
handeln und entscheiden kann.
Die Unterrichtsgestaltung sollte diesem Ansatz entsprechen. Er schreibt
über seine Idee der «Menschenbildung», dass diese nur dem «inneren
Entfaltungstrieb» folge.
In einem Brief an den ehemaligen helvetischen Minister Stapfer bekundete
Pestalozzi seine persönliche Motivation hinter all seinem Arbeiten: «Es
ist nicht mein Werk, es ist Gottes Werk. Mein war die Liebe, mit der
ich suchte, was ich nicht kannte, und der Glaube, mit dem ich hoffte, wo
ich nicht sah. Die Liebe hat eine göttliche Kraft, wenn sie wahrhaft
ist und das Kreuz nicht scheut.»