Freitag, 18. Dezember 2015

mach kein theater


M.. ja ein halbes Leben ist das schon bei uns Mädels. Das ist schon unglaublich, dass einige von uns schon seit über zehn Jahren, seit der Grundschule, mitmachen. Ich meine, in der Grundschule ist man noch voll am sich entwickeln. Da spielen die Hormone einem ‘nen Streich und sowieso ist da der Körper und klar, auch der Geist, in einer Entwicklungsphase. Die Proportionen fangen an, sich zu ändern, deine Bewegungen sind stolpernd und tollpatschig. Plötzlich ist der Arm länger und man stößt überall an. Man muss dies erst mal erkennen und sich an diese neue Verpackung gewöhnen. Da sind Bewegungsübungen ganz passend. Die eigenen Dimensionen wahr zu nehmen, welchen Raum nimmt mein Körper ein, welchen Raum der Körper des Anderen. Es ist eine ganz andere Körperwahrnehmung. Auch auf die Umgebung achtet man anders. Man ist sensibler auf die Körpersprache, auf Bewegung, auf ästhetische Bewegung, auf Komik. Man lernt, auszuhalten. Pausen aufzubauen. Geduld. Halte durch. Warte. Warte. Pausen dürfen nicht zu kurz sein, sonst ist die Spannung nicht aufgebaut. Nur in dem man aushält, einen Hauch länger als man meint und schon ist es anders. Unsere Bewegungsqualität hat sich geändert. Die Bewegungen sind gereift. Jeder hat seinen Bewegungsstil, das steht klar. Wir können uns nachahmen, wir wissen wer eher runde, wer eher eckige Bewegungen bevorzugt. Doch sind wir gerade da gefangen. Man versucht sich anders als sonst zu bewegen, neues zu finden, neue Sprachmelodien und klar, man arbeitet mit dem eigenen ich und das gibt es, um daran, um damit, zu arbeiten. Daher ist das gemeinsame Proben, das Nachahmen, Führen, Spiegeln, Schatten sein, so bereichernd. Ich nehme die Bewegung des anderen auf, bereichere mich und gleichzeitig stärken wir unser Gruppengefühl. Es ist überwältigend, rührend fast. Wir haben uns erst in der Theater AG kennen gelernt. Unsere Freundschaft wurde im Theatersaal gegründet und ganz von alleine hat sich dies auf unser Soziales leben erweitert. Als wir anfangs im Saal standen, hatten wir Angst uns zu blamieren. Wir waren verkrampft, angespannt, wussten nicht was Moni mit Ihren Erklärungen meinte, haben wir das richtig verstanden? Hast du das verstanden? Aber naja, machen wir halt mal… so. Wir versuchten es so gut wie möglich auszuführen und Moni war begeistert wie wir ihre Übung interpretiert hatten. Jeder auf seine Art. Durch diese, Monis Fähigkeiten, Anweisung unklar darzustellen, sind viele Bewegungen entstanden die wir in unsere Stücke mitintegriert haben. Dass muss man erst mal können, Angaben so überzeugend unklar auszudrücken damit wir etwas eigenes daraus entwickeln. Unseren Stil. Moni’s Stil. Da weiss man dann, es gibt zwei die zu einem etwas grösserem verschmelzen. Und das ist auch das schöne daran. Als wir unerfahrene Schauspieler waren, als unser Körper ein etwas war, da mussten wir erst ein mal trainieren. Impro, Bewegung, Stimme, Impro, Bewegung, Stimme. Das war schon nicht einfach. Eckige Bewegung, nur auf dem Boden, nur mittlere Ebene, jetzt zu zweit, spiegeln, ein anderer führt, nicht zum Rhythmus der Musik, dazu, schneller, Zeitlupe, wenn einer einfriert, alle einfrieren, Rhythmuswechsel, dazu etwas erzählen. einen Dialog sprechen... Es hat sich also weiterentwickelt. So hat sich auch unser Theaterstil verändert. In den letzten Jahren haben wir viel modernes auf die Bühne gebracht wo wir früher eher klassische Stücke inszeniert haben. Auch sind wir heute viel musikalischer geworden, was die Gestaltung der Stücke angeht. Die modernen Stücke sind, vom Dialog her, schon ganz anders aufgebaut. Punkt, Komma oder Absatz folgen nicht den Vorschriften der deutschen Sprache oder werden ganz weggelassen, es werden kaum Angaben an den Schauspieler gerichtet. Die Akteure verschwimmen mit den Rollen und die Rollen verschwimmen untereinander. Es wird gemischt, vereint. Wir sind alle die ganze Zeit auf der Bühne, es gibt keine große Hauptrolle und viele kleine Rollen mehr. Alle sind ziemlich gleich aufgeteilt, alle sind gleich wichtig für den Verlauf der Storyline. Als Schauspieler muss man sich nicht mehr in die Figur hineindenken, sie zu Hundertprozent verkörpern. Wir sind alle dabei, als Rolle als Schauspieler der die anderen Situationen mit beobachtet und mitkommentiert, dann wieder in der Rolle oder in einer anderen. Unsere Gedanken wandern zum Stück, zur Gestaltung von diesem. Heute sind wir ein Teil dieser Mitgestaltung. Welche Elemente wir einbringen wollen. Wenn wir früher immer schwarzgekleidet waren war dies richtig, es war eine Art uns selbst in den Hintergrund zu stellen und den Text, die Situation, die Bewegung zur Geltung zu bringen. Heute hat sich dies verändert. In den letzten Stücken hatten wir bunte Kleidung und diese war nicht neutral. Oft hörten wir den Kommentar, das habt ihr sehr schön gemacht - aber vom Stück habe ich nicht viel verstanden. Ja. So war das eben. Damals. Unsere Stücke sind nicht leicht und unsere Inszenierung schon gar nicht. Unser Ziel ist den Zuschauer zum nachdenken anzuregen. Wir wollen kein durchgekautes Mahl anbieten, sondern den Zuschauer selber mitdenken lassen. Er soll dem Stück selbst entnehmen, was für ihn Sinn macht. Natürlich haben wir auch unsere Interpretation und unsere Werte und Gedanken in jedes Stück mit hineingelegt und wenn diese vom Zuschauer entdeckt werden ist dies ein herrlicher Moment. Aber unser Theater ist ein Anspruch. An erster Stelle an uns. Wir müssen uns mit den Themen des Stücks auseinandersetzen, mit den Dingen die uns vom Stück stören, mit den Dingen die uns ansprechen. Wir müssen hineintauchen und dies ist nicht einfach. Bei den klassischen Stücken war die Sprache schwer. Wörter die heute nicht mehr gesprochen werden. Heute ist der Aufbau schwer, die Struktur vom Text muss jeder für sich selber neu aufbauen und in Gedanken entstehen lassen. Unsere Stücke sind ein Anspruch. Es ist nicht einfach. Aber wir lernen dran zu bleiben. Wir lernen auszuharren, wir lernen, neu anzufangen. Wir lernen, uns zu respektieren. Wir haben so viele Fähigkeiten, beim Theaterspielen, entwickelt. Sprachlich, Sozial, Künstlerisch. Es war nicht immer leicht. Dieses ausharren, einen Textabschnitt so oft zu wiederholen bis die Wörter, für das Ohr, sinnlos klingen, und, für Moni, richtig sind. Rhythmisch, prosodisch, durch die richtige Bewegung unterstützt. Um dann bei der nächsten Probe doch nochmal verändert zu werden. Es war nicht immer leicht. Jeder hat seinen Job, sein Studium. Das Proben ist anstrengend. Nach einem Arbeitstag kreativ zu sein und doch klappt es. Es ist nicht immer leicht, aber, ein Leben ohne Theater? Ohne Bewegung? Für uns, unvorstellbar. Es gehört zum Alltag, es gehört zum Jahresablauf mit dazu. Es gehört zu unseren actividades extracurriculares. Wir brauchen diesen kreativen Freiraum. Wir geniessen den Freiraum uns zu blamieren und doch zu wissen, dass dies nicht unseren Wert als Person runtersetzt. Ein Leben ohne Theater ist für uns fremd. Für Moni ist ein Leben ohne Theater, nach 30 Jahren, noch viel fremder.

Donnerstag, 24. September 2015

Bilder im Licht Gottes

http://www.condor.cl/titelblatt/bilder-im-licht-gottes/16844.html


Über den eigenen Bruder zu schreiben, ist schon eine tolle Sache. Nicht nur, weil man den Weg teilweise mitgegangen, mitgestaltet, mitgeeifert, mitgefeiert hat und so auch ein bisschen Teil des Werdeganges ist. Sondern weil man eben stolz auf einen großen Bruder ist, der den Weg zum Künstler gewagt hat und nun das Haus als Kalenderlagerhalle nutzt. 
  
Von Rahel Gysel
Es gibt Kinder, die wissen schon sehr früh, welchen Beruf sie einmal ausüben wollen. Und, 25 Jahre später tun sie dies auch. Davids Interesse an der Fotografie entwickelte sich schon von klein auf. Doch als Photograph sich den Lebensunterhalt zu verdienen, dies stellte er sich nicht vor. Eher als Formel-1-Pilot, neben Schumacher zu fahren, oder Pilot der Lüfte zu werden. Aber die komplette Fotoausrüstung, die der Vater vom Schwager bekam, war dann doch die größere Attraktion.
Die ersten Schnappschüsse entstanden, und der Spaß war auch dabei, bis es schließlich zur Teilnahme an der Foto AG der Deutschen Schule Santiago kam. Frau Jösch fragte, ob er sich denn vorstellen könne, die Fotografie als Beruf zu wählen? Und schon machte man sich Gedanken. Fotografie wird überall gebraucht, es ist abwechslungsreich. Wenn ich die Natur, die Landschaften fotografiere, kann ich viel draußen sein.
Blumen, Sport, Theater, Porträts. All diese Dinge fotografierte David während seiner Schulzeit. Momentan arbeitet er an einem Projekt der Lutherischen Kirche, ILCH, um die Kirchen, Gemeinden und Menschen in Fotos festzuhalten. Bei einem seiner Aufträge von Ultramar wurde sogar ein Kindheitstraum erfüllt: Er durfte selber die Kontrolle über den Flieger übernehmen. Die erste von – vielleicht – noch mehr Flugstunden.
Seit einigen Jahren arbeitet er mit einem schweizer-deutschen Fotoreisebüro, da geht es zwei, drei Wochen lang durch Patagonien oder wie im vergangenen Jahr durch Peru, Bolivien und den Norden Chiles. Wieder war die Faszination da, wie abwechslungsreich die Fotografie doch ist. Städte, Personen, Landschaften, Tiere haben alle verschiedene Eigenschaften, Farben, Formen, die von der Linse eingefangen werden, die berücksichtigt werden wollen. Dabei lernt man auch viel, nicht nur das fotografische Auge wird geschult, sondern eben auch Dinge über das Subjekt, das eingerahmt wird.


Als ich David fragte, ob es ein Erlebnis gibt, das er besonders in Gedanken trägt, sprach er von einem gemeinsamen Ausflug in den Nationalpark Conguillio bei Temuco, zum 21. Mai 2013. Als wir am Mittwoch losfuhren, war die Wettervorhersage nicht besonders vielversprechend. Regen bis zum Freitag. Wenn man mit dem Zelt unterwegs ist, sind drei Tage Regen nicht gerade angenehm. Aber die ersten Tage konnten wir trotzdem den Park auskundschaften, etwas herumwandern und uns eine Vorstellung davon machen, wie es wohl ohne Wolken aussehen würde.
Morgens, wenn wir aus dem Zelt traten, war es eiskalt. Das Wasser auf dem Zelt war gefroren. David war froh, dass er seine kleine Schwester als, ich zitiere, «geduldigen Begleiter» mit dabei hatte. Wir warteten am letzten Tag auf die «blaue Stunde», um den Vulkan bei gutem Licht, aber ohne Schatten, fotografieren zu können. Bevor die Sonne also über die Anden blickte, standen wir schon auf unseren verfrorenen Füßen. Endlich, der lang ersehnte Moment war doch gekommen. Das Farbspiel, die sich verziehenden Wolken, die Schatten, die Luft. Es war etwas Besonderes, die Natur so miterleben zu können. Das, auf was wir gewartet hatten, war eingetroffen.
Begeben wir uns nochmal zurück, um die Karriere zum Fotografen noch einmal genauer zu betrachten. Ganz so einfach war die Entscheidung doch nicht. Nach dem Schulabschluss, 1999, studierte er Groß- und Außenhandelskaufmann am Insalco, bei Bayer die dazugehörige Lehre. Die Karriere war abgesichert. Jeden Monat das Gehalt auf dem Bankkonto, regelmäßig und konstant.
Doch die Fotografie: Wer weiß, ob ich das Ding zum Profi habe, dachte er sich. Auch wenn er bei einem Schulfotowettbewerb den ersten Platz erhielt – ist dies ausreichend? Naja, Norbert Seebach saß mit in der Jury, von daher… Aber dann doch erst Insalco. Etwas Festes unter den Füßen, falls es doch nichts wird.
Bald wurden die Wände jedoch zu eng und der Entschluss, Fotografie zu studieren, die Weite der Natur kennen zu lernen, waren verlockender als der Zigarettenrauch im Büro. New York Institute of Photography, 2003 bis 2005, hier studierte David im Fernstudium – mit Kassetten, VHS und Postversand. Derweilen als Reiseleiter bei Viventura jobben und, mit 21 Jahren, das Land durchreisen, San Pedro bis Patagonien durch die Linse beschauen.
Privat ist er auch auf Entdeckungsreise gegangen. Dieses Mal mit der großen Schwester, Priska, mit dem Fahrrad durch die blühende Wüste, mit einem Freund die Carretera Austral herunter und mit dem kleinen Bruder, Joni, die Seenregion abgefahren, in Chile und Argentinien. Hier entstanden die Fotos für den ersten Kalender, den David 2004 auf Fotopapier ausdruckte. So hat sich nicht nur das Design des Kalenders entwickelt, sondern auch der Fotograf selbst. Sein Auge ist geschult, nimmt Dinge wahr, die anderen entfallen, nicht nur beim Beobachten der Natur, sondern auch seiner Mitmenschen. Seine Fotografien strahlen Ruhe aus, so wie seine Persönlichkeit.
Ein Mensch entwickelt sich bis an sein Lebensende und so möchte auch David sich weiterentwickeln. Mehr Zeit haben, um Chiles Naturgebiete zu erforschen, weiterhin mit anderen Fotografen zu reisen und etwas Neues – das möchte er gerne ausprobieren: Naturvideos.
Abschließend möchte ich mit seinem Leitmotiv enden: «Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.» (1.Mose 1:3). Seine Bilder sollen bei den Betrachtern Emotionen und Gefühle hervorrufen sowie die Lust wecken diesen Ort kennen zu lernen, selber zu entdecken, die Natur mitschützen zu wollen. Er möchte zum Nachdenken anregen, wie sind diese Berge entstanden, wie die Wälder? Er möchte den Menschen, wenn sie auf seinen Kalender blicken, eine Ruhepause im Arbeitsalltag schenken. Er möchte die schönen Dinge fotografieren, sagt David. Denn schlechte Nachrichten werden schon zu viel verbreitet. 


Info: Die Kalender von David Gysel sind in der Librería Antártica und Feria Chilena del Libro erhältlich. Mehr Information auf der Internetseite www.chiledesconocido.cl
Die Bilder jedes Kalenders können auch als signierter Kunstdruck, in begrenzter Auflage von 50 Stück, erstanden werden.
E-Mail: fotografo@chiledesconocido.cl

Dienstag, 11. August 2015

Good to be

Try to sleep in my dreams,
the day's gone, right beside me.
I know the shadows of the hours,
no melting to the ground -
but me, myself becoming one. 
Guess there's quite a strong note
blinding fog in the middle of the night.
Since the moment the hours melted,
thoughts have flooded vacant grounds.


I still don't realize
I want to take a new start -
just like the one from the dream between the hours.
I don't recognize myself,
I think like a fish kept hostage in the sea.


My mind is twisted and filled I know,
I seek the way to better stroll,
holding loosely the thaughts
'till they drip flying released,
fickle, lighter then air.


I've got some images sticking to me,
expectations, I know quite well.
Why do we chase fears, trying to win the assur'd race
when we all know that lovin' smile?


I still don't realize
I want to take a new start -
just like the one from the dream between the hours.
I don't recognize myself,
I think like a fish set free in the sea.
   
Now I see, I realize.
I will retake the new start.
Doesn't matter if I am far away from my dreams.
I will be shaped by the light,
I am good to be.

Montag, 6. Juli 2015

Der andere Alltag

http://www.condor.cl/gemeinschaft/alltag/16522.html

Wir sind umgezogen. Das ist für uns als Familie der Anfang eines neuen Lebensabschnittes. Doch auch für euch, liebe Deutsch-Chilenische-Gemeinschaft, bedeutet dies ein Umzug, ein Wechsel, ein Sich-neu-einleben.

Denn wir haben nicht in einem normalen Haus gewohnt. Architektonisch gesehen war es schon ziemlich normal: ein Dach, Wände, Fenster. Unser Haus war aber ein Pfarrhaus. Und dies macht den Unterschied aus zwischen unserem Alltag und dem Alltag in einem «normalen» Haushalt.

Für mich war es eigentlich kein Thema, neben der Kirche zu wohnen. Auch für meine Freunde war das nichts Außergewöhnliches. Wir hatten einen großen Garten, in dem wir spielen, auf Bäume klettern, uns dreckig machen konnten. So habe ich als kleines Mädchen bei den Hochzeiten aus dem Fenster gespäht, um ja nicht den Blick auf die Braut und ihr wunderschönes Kleid zu verpassen.

Nachts ging es heimlich in den großen Garten, bis mein Bruder uns ertappte. «Quién está ahí?», fragte eine Stimme, die den vermeintlichen Einbrecher vom Fenster aus einschüchtern wollte – dabei waren es nur wir zwei Mädels, die hinterm Auto Zuflucht suchten.

Doch diese Erfahrungen hätten auch ein anderes Haus als Bühne haben können. Diese Erlebnisse machen nicht den Unterschied zu einem Pfarrhaus aus. Wohl eher aber die offenen Türen. Und, nein, ich spreche nicht von den Haustüren und Fenstern, die wirklich immer offen waren, um zu lüften oder die warme Luft herein zu lassen. Sondern ich meine diese unsichtbare Tür, dessen Angeln weit offen standen, um Herz und Seele zu stärken. Besuch war ein alltäglicher Bestandteil unseres Lebens. Freunde, Bekannte, Verwandte und auch Unbekannte, die es bald nicht mehr sein würden.

Auch ist meine Beziehung zum Tod – und bitte, dies ist nicht negativ gemeint – anders geworden. Nachts, als Mädchen, dachte ich oft über den Sarg nach, der 40 Meter von mir entfernt in der Kirche ruhte, während ich mich ins Bett kuschelte. Als Kind konnte ich nicht verstehen, was einen verstorbenen Menschen ausmacht, und so ging Mutti mit mir in die Kirche und erklärte mir, warum da jemand liegt. So ist es für mich normal, es bereitet mir keine Angst, nachts in die Kirche zu gehen ohne das Licht anzustellen. Verstorbene sind nicht etwas Fremdes oder gar Mysteriöses.

Lassen Sie mich zum Abschluss noch einen Blick in unseren Pfarrhausalltag werfen, ein ganz normaler Tag. Es ist dunkel, das Telefon klingelt, wir liegen schon im Bett, es muss etwas Wichtiges sein. Ich schlafe ein. Am Morgen die Nachricht, jemand ist verstorben oder liegt im Sterben. Dann geht es los, in die Schule. Doch nehmen wir einmal an, ich sei krank und erlebe den ganzen Tag mit.

Mutti steht in der Küche und kocht. Es klingelt, jemand möchte etwas zu essen. Das Telefon klingelt. Jemand möchte einen Termin zum Gespräch abmachen. Es klingelt, die Person hat immer noch Hunger. Vati kommt nach Hause, und wir können bald essen. Wir sitzen am Tisch, das Telefon klingelt. Wir fangen schon an mit dem Essen. Am Nachmittag klingelt es, jemand bringt etwas vorbei, holt etwas ab, oder möchte in die Kirche zu einer Versammlung. «Deje abierto el portón, por favor.» Es klingelt, «Hola, vengo a la reunión.», «Adelante y ¿puede dejar el portón abierto, por favor?»

Endlich bleibt das Tor offen. Das Telefon klingelt, ich bin alleine. Das Telefon klingelt immer noch. «Aló, Iglesia Luterana?» Bip, bip… aufgehängt. Vati kommt nach der Versammlung nach Hause, in der Hand ein Paket. Jemand hat ihm Schokolade geschenkt. Der Tag ist gerettet.

Dienstag, 30. Juni 2015

Kilómetros has caminado,
inmóvil estan los árboles
nadando hacia el azul del cielo.

Escurriendo las palabras,
saboreas las imágenes impregnada
intacta, los colores.

Otra vez quisieras saber
lo que aprendiste
otra vez quiseras saber.

Galantemente,
intentas disfrutar
a la distancia lo aprendido.