Mittwoch, 18. Mai 2016

Musik

Hinter mir stehen stolz die großen Riesen.
Bis hinauf in den Himmel scheinen ihre Kronen zu reichen.
So stolz und mächtig stehen sie hier und schauen doch nicht herablassend auf mich.
Ihre kräftigen, kleinen Blätter verschwinden in der Unendlichkeit der Höhe, verschmelzen, verschwimmen.
Der Nebel hängt schwer über dem kalten Regenwald, dringt durch das gewebte Netz der Baumkronen hindurch auf meine verworrenen Haare, auf meine kalte Haut, auf den schon feuchten Waldboden. Er hängt hoch oben im Gipfel des Berges,
verschleiert die Sicht.
Verschleiert die Sicht auf die farbenreiche Pracht der Felsen.
Auf die Steine.
Die Steine und die Felsen, die schon seit Ewigkeiten den Nebel abfangen, ihn bündeln, ihn zur Erde tragen. Langsam hebt sich die Sonne vom Osten in den Norden, durchdringt zaghaft den Nebel, streichelt sanft die dunkelgrünen Blätter. Verwandelt den Nebel in ein warmes Gelb, haucht meine Haut an und verschwindet zaghaft über dem Nebel.
Ich spüre meine Haut. Ich spüre das Ziehen der Haare auf meinen Armen.
Wie diese zu Berge stehen, aufgeweckt von dem kalten Regenwald.
Ich spüre die Zeit der Bäume.
Keine Eile ist in ihrem Wachsen.
Keine Überstürzung.
Keine Angst.
Keine Angst, die Zeit würde nicht ausreichen.


Zum Wachsen.